Autor

Bücher/Texte

Projekte

Angebote

Aktuell




1995/96: Das Bad ist voll. Solokabarettprogramm

Kleinkunst

Aus dem Kabarettprogramm, 1995/96. Solokabarettprogramm

Heimatlied

Land der Kriecher, Land der Ducker

Land der frommen Kerzlschlucker,

Einer selgen Insel gleich.

Wo seit frühen Ahnentagen

Rot und Schwarz sich gut vertragen

Du verschlafnes österreich.

Land der Lieder, Land der Jäger,

Ohne Juden, Ohne Neger,

Und an Weinen sortenreich.

Nazis hats bei uns nie gegeben

Und wenn doch, dann sind sie nicht mehr am Leben.

Blütenweißes Österreich.

Land der harmlosen Intriganten,

Land der lustigen Tschecheranten,

Land, wo alle Menschen gleich.

Hier, wo niemand wird protegiert,

Land, wo niemand wird privlegiert.

Bonzenfreies Österreich.

Land der Yuppies, Land der Banker,

Land der gläubigen Fortschrittsdenker

Heimat, du an Kredikarten reich.

Land, gestählt in Fitneßräumen,

Wirst du sicher kein Clubbing versäumen.

Megageiles österreich.

Land der Süßen, Land der Herben,

Wo jetzt viele Bauern sterben.

Wo der Milchpreis butterweich.

Das sich muß mit vielen Dingen

In den Brüssler Arsch reinzwingen.

EU-reifes Österreich.

Arbeitslos

1.

Und an an ganz normalen Tag

fahrst du in die Fabrik

du kaufst dir noch die Zeitung

und a Packl Tschik

Du liest a bißl und du waßt

die Zeitung ist ein Teil von dir

Damit sie ana lesen kann

braucht’s, was ihr macht’s: Papier.

2.

Du kommst ins Werk, da reden’s schon

von Abfertigungen, Urlaubsgeld

und auf der Spindtür hängt ein Blatt:

Die Produktion ist eingestellt.

Die Manager vom Vorstand

die bitten sich Verständnis aus

sie sperren mit Bedauern zu

und schicken dich ab heut‘ nach Haus.

R

Du stehst net in da Zeitung

Dein Nam‘ ist net bekannt

A Ziffer hinterm Komma

Du bist net in’tressant

Die Direktoren von oben

die reden nur recht groß

sie spielen Golf und Tennis

und du bist arbeitslos.

3.

Die oben habm für dich gedacht.

Du hast noch demonstriert.

Und hast geglaubt, es hilft noch was.

Es ist nichts mehr passiert.

Du bist ein Werkstück, freigesetzt.

A Schraube, a Maschin, die steht.

Ein Hackler, ohne den die Welt

genausogut sich weiterdreht.

Refrain

4.

Du hast viel Zeit, du sitzt daheim.

Du trinkst dein Bier, du schaust viel fern,

bist oft allein, kommst net viel fort,

möchst was von deine Kumpel hörn.

Und manchmal gehst du noch zum Werk.

Es ghört jetzt einem Weltkonzern.

Du stehst am Zaun, du hörst und schaust

Du warst ein Hackler, warst es gern.

R

Du stehst net in der Zeitung

Dein Nam’ist net bekannt

A Ziffer hinterm Komma

Du bist net in’tressant.

Wir lesen in der Zeitung:

Papierfabrik am Sand.

Und die, die jetzt ka Arbeit habm

sind nicht mehr relevant.

Und die, die jetzt ka Arbeit habm

sind nicht mehr relevant.