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2004: Wie der Wolf den Thomas Bernhard frißt. Ein Rotkäppchenkriminal.

Kleinkunst

Ein skurriler Krimi, in dem es um Themen wie Kultur und Kommerz, Vereinnahmung von Künstlern und Lieteraten durch Politik und Gesellschaft geht.Inszenierung John F. Kutil

Musik Rudolf Habringer
Spiel Brigitta Waschnig, Thomas Schächl und Mathias Schuh

Premiere 18. März 2004 | Jägermayerhof Linz, Österreich
Vorstellungen 23x in ganz Österreich
Wiederaufnahme 2006 08. und 09. April 2006 | Kleines Theater Salzburg

Produktion die theaterachse Produktion und AK Kultur Oberösterreich
Mit Unterstützung von AK Oberösterreich Kultur, Land Oberösterreich, Stadt Linz, Land Salzburg und Stadt Salzburg

INHALT

Die üblichen Verdächtigen: Goethe, Büchner, Jandl, Hansi Hinterseer, … oder war es doch der Wolf?
Ein verzwickter Fall für die Soko Gmunden. Nicht genug, daß der totgeglaubte Schriftsteller Thomas Bernhard plötzlich wieder in der Traunsteinregion auftaucht und naturgemäß für Aufregung sorgt, wird auch noch ein toter Wolf gefunden….

Gruppeninspektor Rüdiger Wolff, seine Kollegin Kathrin Roth und der Gendarm Franz Jäger stoßen im Zuge ihrer Ermittlungen auf immer mehr Widersprüche. Hat Herr Goethe tatsächlich etwas gesehen, zählt Fräulein Josefine zum Kreis der Verdächtigen, redet Herr Büchner nur wirres Zeug oder steckt am Ende gar Thomas Bernhard mit Hansi Hinterseer unter einer Decke?

Weitere Morde geschehen und trotz unterschiedlichster Versionen des Tatherganges taucht immer wieder ein rotes Käppchen auf… Oder hat am Ende die Soko Gmunden sogar in den eigenen Reihen etwas zu verbergen?

REZENSION

Pressestimmen zur Uraufführung

„Das multifunktionale Trio begeisterte durch ausdrucksstarkes Spiel, beeindruckend raschen Kostümwechsel, akrobatische und auch gesangliche Leistungen. Gehobene Unterhaltung zwischen Komödie und literarischem Theater. Oberösterreichische Nachrichten, 20. März 2004

„..herzerfrischender Rotkäppchenkrimi mit Thomas Bernhard als humorigen Running Gag… Die Lust an der Sprache quillt geradezu aus dem Text von Rudolf Habringer… Gelächter im applausfreudigen Publikum.“ OÖ Kronenzeitung, 20. März 2004

„Unter der auf Ironie und rasante Rollenwechsel setzenden Regie von John F. Kutil warfen sich Brigitta Waschnig, Mathias Schuh und Thomas Schächl mit sichtlicher Spiellaune ins turbulente Geschehen. Es verquickt die Fiktion der Vermarktungsmaschinerie um den nur tot geglaubten Dichter mit mehreren Leichen rund um das Fabeltier und die kesse Rotkapplerin zu einer vergnüglichen Collage, die gleichzeitig eine witzig verbrämte literarische Hommage von Goethe über Büchner und Nestroy bis zu Karl Valentin ist.” Neues Volksblatt Linz, 20. März 2004

Er hat mir so schön den Wolf gemacht

„Wie der Wolf den Thomas Bernhard frisst. Ein Rotkäppchenkriminal“ eröffnete am Montag (16.4.) die Reihe „Auftritte“ im Toihaus

Eine Rotkäppchenkriminal? An der „Theaterachse Linz“ sind zwei amtsbekannte Salzburger beteiligt, Thomas Schächl und Mathias Schuh. Gemeinsam mit der (im wahrsten Sinn des Wortes) bezaubernden Brigitta Waschnig und in der Regie von John F. Kutil, brillierten in diesem Stück, das nach Motiven aus Rudolf Habringers „Thomas Bernhard seilt sich ab. Satiren. Parodien III“, zusammengebastelt wurde.

In ihrem Programmfolder danken die Schauspieler der Theaterachse ganz besonders dem Zufall. Ganz und gar nichts dem Zufall überlassen sie jedoch während ihres temporeichen Spiels. Die ständig wechselnden Rollencharaktere mit den typischen Kostümen zur Person verlangen ein hohes Maß an Exaktheit und Bühnensicherheit. Man merkt, dass diese Akteure den Amateurstatus schon weit hinter sich gelassen haben.

Die Kriminalgeschichte entwickelt sich aus einem Wunschgerücht der Werbefritzen: „Der Tourismusverband Salzkammergut verspricht sich von der Rückkehr Thomas Bernhards den lang erwarteten Aufschwung“ und dem Märchen vom Rotkäppchen. „Steckt nicht in jedem von uns ein Rotkäppchen?“ und „Märchen sind doch was für Kinder – nein, Kinder können noch gar nicht lesen. Die Märchen sind also für Erwachsene, damit sie es den Kindern erzählen können…“ Gerade weil die heutige Gesellschaft sensibilisiert ist für psychodramatische Durchleuchtungen der Kinder-Märchen, macht es so großen Spaß, Habringers Text mit seinen Mutmaßungen rund um die Mär des verführten Rotkäppchens zu folgen. „Er hat mir so schön den Wolf gemacht. Er hat gespritzt, dann war er erledigt!“ sagt ein mutzenbacherisches Rotkäppchen, und die vernehmenden Polizeibeamten der SOKO Gmunden reagieren entsetzt bis erotisiert. „Vielleicht findet sich noch das fehlende Glied!“ hofft Chefinspektor Rüdiger Wolff. “Das vom Förster?“ fragt Kollegin Katrin Roth nach. Die Pointen rollen nur so durch die Aufführung, das Publikum ist angeregt und amüsiert. „… dömöt öch döch bössör frössen könn!“ jandelt es und auch Artmanns Deftigkeit kommt über Habringers „Rotkappl“ genüsslich zum Zug. Zwischendurch taucht immer wieder Thomas Bernhard auf, weil er „den Traunstein in Begleitung von Claus Peymann besteigt“ oder einfach nur präsent ist, „ob er nun hin ist oder nicht“. Zum Schluss serviert uns das Team noch eine Parodie: Hansi Hinterseer, gemeinsam mit Michaela Jung in sportlicher Winterbekleidung blond perückt und singend: „Mein Schatz, du bist mein Morgenstern. Ich lieb’ dich und hab dich zum Fressen gern…“ Einfach köstlich, ein fulminanter Theaterabend, keine Längen, keine Hänger, Zaubertricks inklusive und intelligentes, witziges Theater vom Feinsten.

DrehPunktKultur Salzburg, Georg Reittner