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Bernhard Minetti geht turnen

Was die Stapo im Brucknerhaus erlebte

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Bericht, Zahl V – Spb 341/VVN/8

Um ca. 19.15 Uhr, begaben sich Gr.I. Lauscher und Gefertig­ter, von der hiesigen Dienststelle zum örtlich anliegenden Brucknerhaus, Linz.

Beim Eintreffen konnte wahrgenommen werden, daß die Abend­kassa zwecks Ausverkauftseins bereits geschlossen worden war. Angeführt sei, daß in Voraussehung dieses Eventualfalles die Eintrittskarten bereits im Vorverkaufe in Gewahrsam genommen worden waren.

Im Zuge des Betretens des Innenraumes konnte von einem Kar­tenbilleteur ein sogenanntes Programmheft, um den Betrag von 15.- (in Worten: fünfzehn) zwecks Einsicht angekauft und noch im Saale einer ersten Untersuchung unterzogen werden.

Bemerkt wird, daß im Zuge des fortschreitenden Beginns des Konzerts von Unbekannt plötzlich das Saallicht verdunkelt wurde, was die Observierung der zu beobachtenden Objekte in einem beträchtlichen Ausmaße erschwerte. Über den Handlungs­verlauf auf der Bühne wurden unter Bedachtnahme auf die erho­benen Verdachtsmomente handschriftliche Aufzeichnungen ge­macht, soweit dies auf Grund der gegebenen Situation möglich war.

Die Bühne blieb vorerst über die ausgewiesene Beginnzeit von 19.30 bis auf weiteres leer, ehe schließlich mehrere Perso­nen, offenbar Musiker, die Bühne betraten und sich an ihren Arbeitsgeräten mit diversen Handgriffen zu schaffen machten. Die Lärmentwicklung, muß vermerkt werden, war hiebei enorm. Eventuelle Absprachen unter den Ausführenden waren daher ab diesem Zeitpunkte nicht mehr zu vernehmen.

Der Leiter der Aufführung war offenbar zu spät gekommen und betrat als letzter  mit größter Eile die Bühne. Er wurde mit leichtem Applause begrüßt.

Hierauf wurde das Programm programmgemäß abgewickelt. Laut Auskunft des Programmheftes sollte es sich bei dem dargebote­tenen Werk um eine Musikstudie des in Rußland geborenen Igor Strawnicky handeln; der Titel des fremdsprachigen Werkes wird mit „Le Sacre du Printemps“ (auf deutsch: Lö Sacker dü Pren­taomp) angegeben.

Bemerkt wird, daß kein offensichtlicher Zusammenhang zwischen dem Konzert und dem Programmheft erkannt werden konnte, da dieses mittels Musik verbreitet wurde, jenes aber in der üb­lichen Weise in Schrifttum abgefaßt worden war.

Gefertigter darf hier die Anmerkung anbringen, daß die Musik im großen und ganzen drunter und drüber ging und im eigentli­chen Sinne auch kein richtiger Inhalt erkannt werden konnte. Positiv vermerkt sei allerdings, daß die Programmabfolge rasch und zügig durchgeführt wurde. Aus Tarnungsgründen wur­den in den kurzen Pausen zwischen den Stücken vom Kollegen Lauscher und Gefertigtem jeweils kurze Applause eingestreut.

Erst am Schluß der Aufführung konnte auf dem Podium wieder eine rege Bewegung festgestellt werden. Der Leiter des Kon­zertes verschwand dabei mehrmals hinter der Bühne. Für einen Moment bestand Fluchtgefahr.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß in dem wie vorange­führt beschriebenen Handlungsablauf die Verwirklichung der Tatbestände einer Unzuchtshandlung oder auch einer kommuni­stischen Unterwanderungssaktion durch russische Musik offen­sichtlich nicht festzustellen war.

Mit 21.08 konnte der Einsatz einer Beendigung zugeführt wer­den.