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Island Passion

Kurzbeschreibung

Picus Verlag Wien, 2008. 250 Seiten

Anlässlich des legendären Finales der Schach-Weltmeisterschaft zwischen Boris Spasski und Bobby Fischer gerät der junge Österreicher Richard Behrend 1972 zum ersten Mal nach Island. Durch Zufall stößt er dort auf die Spuren des Musikers Karl Wallek, der 1938 mit seiner Familie aus Graz fliehen musste und in Island nicht nur ein Zuhause, sondern auch berufliche Anerkennung fand.

Walleks Geschichte lässt Behrend von da an nicht mehr los, und er begibt sich auf Spurensuche in Island und Österreich. Dabei trifft er auf irritierende Zusammenhänge und verdrängte Gefühle und erlebt, wie das Schicksal des Exilanten Wallek – eine Geschichte der Flucht, der Einsamkeit und des Neuanfangs – zum Spiegel seines eigenen Lebens wird, denn auch er wird schließlich Bekanntes hinter sich lassen und auf der Insel im Atlantik einen neuen Beginn wagen. Rudolf Habringer erzählt in seinem großen Entwicklungsroman nicht nur von leidenschaftlichen Gefühlen und ihren möglichen Auswirkungen auf das Leben eines jungen Menschen, sondern auch von nicht bewältigter Vergangenheit, deren Konsequenzen bis in die Gegenwart reichen. Eindringlich und sensibel zeichnet er den Lebensweg eines »angry young man« nach, der im Laufe der Jahre immer mehr zu sich selbst findet.

Pressestimmen

Die Zeiten, da man sich’s leisten konnte, Rudolf Habringer zu unterschätzen, sind vorbei. Man wird Habringers Namen künftig wohl in einem Atemzug mit Hochgatterer, Geiger, Glavinic nennen müssen.
Rudolf Habringers “Island-Passion” ist ein spannender und genau gearbeiteter Roman – ein Roman, der den Individuationsprozess seines Helden ebenso überzeugend reflektiert wie die gesellschaftspolitischen Umbrüche der letzten Jahrzehnte.
Günter Kaindlstorfer. ORF

Das Pathos dieser Generation, die angetreten ist, für eine bessere Welt zu kämpfen, erhält im Verlauf des Romans allerhand Risse und am Ende im Island-Modell ein Gegengewicht; desavouiert wird es nicht. Attackiert werden vielmehr, mittelbar jedenfalls, alle einfach gestrickten Erzählungen, die dem Schwarz-Weiß oder auch Weiß-Schwarz vertrauen und den Wortführern der Mythen- und Legendenbildung in die Hände arbeiten: Habringers Erzählstrategien befördern das Nachdenken.   Die Furche, Johann Holzner

Der spannende Roman entfaltet einen Sog, dem man sich schlecht entziehen kann.
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Textprobe

Österreich, 1964

Sie saßen einander seit mehr als einer Stunde gegenüber. Zwei Dreizehnjährige, schweigend über ein Schachbrett gebeugt. Dann entdeckte Richard Behrend die rettende Kombination. Sein Herzschlag beschleunigte sich, sein Puls hämmerte laut an den Schläfen, er zwang sich, seine Aufregung, seine plötzliche Gier durch keine hektische Bewegung, kein heftiges Atmen zu verraten. Er spürte, wie in ihm augenblicklich der Wunsch entflammte, seinen Gegner in die Ecke zu drängen und vollständig zu schlagen. Auszulöschen. Zu vernichten. Es gelang ihm, sich zu sammeln, zu beruhigen. Kalter Schweiß stand auf seiner Stirn, schweißnass und kalt fühlten sich auch seine Hände an. Er saß da, spannte die Muskeln, rührte sich nicht und hob den Blick nicht vom Brett. Ruhig bleiben, ruhig atmen. Von außen mochte er kaltblütig und konzentriert wirken. Ein paar Züge später brachte er, geschützt durch den König, seinen Bauern zur Dame. Zollner hatte gar keine andere Möglichkeit, als die eben ins Spiel gekommene Dame mit seinem ihm verbliebenen Turm zu schlagen. Das Spiel hatte die entscheidende Phase erreicht. Richard atmete tief durch, Zollners Turm wurde sofort eine Beute seines weißen Königs. Gerhard Zollner hielt den Kopf in beide Hände gestützt und sah nicht auf, sie hatten einander seit Beginn der Partie kein einziges Mal in die Augen gesehen. Auf der H-Linie standen sich zwei Bauern reglos gegenüber. Sie würden nicht mehr ins Spiel eingreifen. Zollners schwarzer König war jetzt Behrends König und Turm schutzlos ausgeliefert, eine eindeutige Gewinnsituation, die Präfekt Wagner, der ihnen Schachunterricht erteilte, oft mit ihnen geübt hatte. (mehr …)