Autor

Bücher/Texte

Projekte

Angebote

Aktuell




Bücher

Textprobe

Es geht uns gut. Wir sind eine angesehene Familie. Eine Freude für die ganze Stadt. Das steht häufig in der Zeitung. Am Sonntag gehen wir gemeinsam in die Kirche. Die Eltern wählen sozialistisch. Der Bürgermeister ist ein gern gesehener Gast im Haus. Im Freibad und auf dem Fußballplatz haben wir freien Eintritt.

Wenn wir einem Erwachsenen begegnen, grüßen wir freundlich. Wir haben Respekt vor Respektspersonen, wie dem Herrn Pfarrer, dem Schuldirektor und dem Zahnarzt. Wir haben Respekt vor alten Menschen, Kranken und Behinderten. Wir haben Respekt vor Menschen, die alleine sind. Wir haben Respekt vor allen, die keine Eltern mehr haben. Wir haben Respekt vor uns selbst. (mehr …)

Kurzbeschreibung

Mein Leben ist ein Roman.  Alltagsgeschichten aus Oberösterreich. (gemeinsam mit Walter Kohl)

Bibliothek der Provinz, 2003

Vorwort der Herausgeber

Liebe Leserin, lieber Leser!

Vor drei Jahren haben wir mit unserem Projekt NETZWERK MEMORIA begonnen.

Angeregt durch die Sammelarbeit des deutschen Schriftstellers Walter Kempowski wollten wir Erinnerungsmaterial des eben vergangenen 20. Jahrhunderts auffinden, sammeln und darstellen. Viele Menschen sind unserem Aufruf gefolgt und haben uns Materialien geschickt: Texte, Fotos, Briefe, Tagebücher, Zeitungsauschnitte, persönliche Dokumente von der einzelnen Urkunde bis zur in Buch gebundenen Autobiograpie. In vielen Gesprächen haben wir erfahren, wie wichtig es für Menschen ist, auf ein loeben zurückzuschauen, sich zu erinnern. Irgendwann einmal ist auch der Satz gefallen: Mein Leben ist ja ein Roman, wenn nur jemand da wäre, der ihn aufschriebe.

NETZWERK MEMORIA ist ein Versuch, nichts zu vergessen. Unser Projekt versteht sich als eine Art Gedächtnisbibliothek des 20. Jahrhunderts. Sie bewahrt Geschichten und Geschichte auf, persönliche Tragik und Leid, Humorvolles und Anekdotenhaftes, Familiengeschichten und Berichte aus dem Berufsleben, Alltägliches und politisch Bedeutsames. NETZWERK MEMORIA versteht sich einerseits als Archiv, in dem Erinnerungen gesammelt werden, andererseits auch als Ausgangspunkt für künstlerische oder wissenschaftliche Arbeit: Mit den Erinnerungen soll etwas geschehen, sie sollen in kreative Arbeiten aller Art einfließen.

Mit dem vorliegenden Band, redigiert von Walter Kohl, liegen nun 80 Ausschnitte aus verschiedenen Lebensromanen vor ihnen. Der Schwerpunkt der Berichte in diesem Buch liegt in Oberösterreich. In den nächsten Jahren sollen Erinnerungen aus anderen Bundesländern folgen.

Obwohl wir bei unserem Aufruf bewußt keine thematische Vorgabe gegeben haben, läßt sich dennoch ein Schwerpunkt ablesen: Der Zweite Weltkrieg, seine Bedingungen und Folgen, war das Ereignis, welches das Leben der damals Beteiligten und das der nachgeborenen Generationen nachhaltig und schmerzlich beeinflußte: Erlebnisse an die Kindheit im Krieg sind darunter, an den Alltag im Nationalsozialismus, Erzählungen von Frauen, Erinnerungen an das Kriegsende, Berichte aus Kriegsgefangenschaft, Besatzungszeit, Vertreibung, Flucht und Wiederaufbau. In einem gleichsam subjektiven Destillat erscheint so skizzenhaft Österreichs Geschichte des 20. Jahrhunderts: Monarchie, Erste Republik, Ständestaat, Nationalsozialismus, Zweite Republik. Ein wahrhaftes Wechselbad an politischen Systemen, das Menschen unseres Landes im vergangenen Jahrhundert erlebten, erlitten und aktiv mittrugen. In der Zusammenschau vieler subjektiver Erfahrungen ergibt sich ein spannendes, natürlich auch fragmentarisches Bild. In jeder persönlichen Erinnerung kommt damit auch eine Facette einer gemeinsamen Erfahrung, das, was wir Geschichte nennen, zum Ausdruck.

Wir sind überzeugt davon, daß  Erinnern ist ein wichtiger Teil unserer Kultur ist, daß Erinnerung eine Form kultureller Praxis ist. Noch bevor der ungarische Autor Imré Kertész 2002 den Nobelpreis für Literatur erhielt, haben wir einen Satz von ihm als Motto über unser Projekt gestellt: „Der einzig gangbare Weg der Befreiung führt durch das Erinnern.“

Wer seine Geschichte nicht kennt, hat keine Zukunft.

Walter Kohl, Rudolf Habringer im Frühjahr 2003

Textprobe

Das Ordnen der Stimmen

Walter Kempowskis „Echolot“ als Modellfall für die Arbeit

mit Erinnerungsmaterial

Das „Echolot“ von Walter Kempowski war ein maßgeblicher Anstoß für den Beginn der Initiative von Netzwerk Memoria. In diesem gewaltigen Werk fügt der Schriftsteller eine Unmenge von Tagebucheintragungen zusammen. Das Konstruktionsprinzip Kempowskis ist ebenso einfach wie effizient: Tag für Tag läßt er hunderte Menschen zu Wort kommen, von Hitlers Leibarzt über prominente Zeitgenossen bis hin zu jenen, die man heutzutage „die kleinen Leute“ nennt. Aus diesem vielzähligen Stimmengewirr ergibt sich ein rundes Bild, aus Geschichten wird Geschichte.

Dieser Zugang Kempowskis hat uns, Rudolf Habringer und Walter Kohl, fasziniert. Wir wollten kein österreichisches „Echolot“ schaffen. Aber die Methode, möglichst viele Stimmen aus möglichst vielen Lebenszusammenhängen zu Wort kommen zu lassen, die haben wir von Kempowski übernommen. Am Beginn unserer gemeinsamen Arbeit haben wir Walter Kempowski in seinem „Haus Kreienhoop“ in Nartum, halbwegs zwischen Hamburg und Bremen gelegen, besucht. In langen Gesprächen hat er uns sein Verständnis vom Geschichten-Erzählen vermittelt. (mehr …)

Kurzbeschreibung

Hinter dem Niemandsland

Eine zweisprachige Gemeinschaftsanthologie der Autoren Walter Kohl, Andreas Weber und Rudolf Habringer gemeinsam mit dem südböhmischen Schriftstellerverband. Verlag Edition Geschichte der Heimat, 2003

Geschichte der Heimat, 2003

Der Verein NETZWERK MEMORIA gibt gemeinsam mit dem Verband südböhmischer Schriftsteller eine Anthologie mit Texten österreichischer und tschechischer Schriftstellerinnen heraus. Zwölf tschechische und elf österreichische AutorInnen beschäftigen sich dabei mit der wechselvollen, manchmal konfliktreichen, manchmal auch mit Sehnsucht und Wehmut aufgeladenen Beziehung zwischen Österreich und Tschechien (Böhmen), resultierend aus den historischen Ereignissen zwischen dem Münchner Abkommen und der Vertreibung der Sudetendeutschen. Die Textsammlung wird in einer tschechisch- und einer deutschsprachigen Ausgabe erscheinen.

Mit Texten von Anna Mitgutsch, Christoph Janacs, Alfred Pittertschatscher, Richard Wall, Eugenie Kain, Zdenka Becker, Margit Schreiner, Franz Rieger, Ilse Tielsch, Ludwig Laher, auf tschechischer Seite Autoren wie Věroslav Mertl, František Niedl, Miroslav Hule, Hanka Hosnedlova, Jan Houska, Vlasta Duškova, Stanislava Bumbová, Jan Bauer, Miloslav Král u.a.

Pressestimmen

Die Schriftsteller beider Länder vereinigen sich – zumindest für einen gestern präsentierten Sammelband

Eine Beziehung, von heiter bis wolkig – Böhmen und OÖ

Im Linzer Bildungszentrum St. Magdalena wurde gestern im Rahmen einer Lesung ein Sammelband mit Beiträgen oö. und südböhmischer Schriftsteller präsentiert, der Auftakt zu einer stärkeren grenzüberschreitenden literarischen Zusammenarbeit sein soll. „Hinter dem Niemandsland – wechselnd bis heiter“ (207 S., Edition Sandkorn) wurde von den heimischen Autoren Rudolf Habringer, Walter Kohl und Andreas Weber herausgegeben – gemeinsam mit dem „Verband südböhmischer Schriftsteller“, in dem sich 2001 37 großteils in Budweis beheimatete Autoren zusammengefunden haben.

„Es soll auch noch eine andere Verbindung zwischen OÖ und Tschechien geben, als nur Temelin und die Benes-Dekrete“, meint Habringer zur Intention des Buches, das Einander-Näherkommen zu fördern: Es sei der Versuch, die Fäden der Kommunikation trotz sprachlicher und anderer Barrieren wieder aufzunehmen.

Trotzdem oder gerade deshalb kreisen viele der 23 Geschichten, die etwa von Anna Mitgutsch oder Margit Schreiner stammen, um die konfliktreiche Beziehung zwischen Österreich und Tschechien, ausgelöst durch die Abtrennung der Sudetengebiete 1938 von der CSR und die Vertreibung der Sudetendeutschen nach 1945. „Die Vergangenheit werden wir eben immer treffen“, bringt es Frantisek Niedl, Sprecher der südböhmischen Gäste, auf den Punkt. Wobei Selbstkritisches, etwa zu Temelin, durchaus auch in tschechischen Beiträgen zu finden ist. (mehr …)

Textprobe

Was weiß unsere Region Oberösterreich von unseren Nachbarn in Tschechien? Was erfahre ich über Südböhmen, wenn ich, vierzehn Jahre nach der samtenen Revolution, eine oberösterreichische Tageszeitung aufschlage? Wie leben die Menschen dort? Was bewegt sie? Was tut sich in der kulturellen Szene? Was wird im Theater, im Kino gespielt? Was tut sich im Fußball? In unseren Printmedien wird seit Jahren über Temelín und die Beneš-Dekrete geschrieben. Darüber hinaus erfahre ich nicht viel. Vierzehn Jahre nach der Revolution scheint der Eiserne Vorhang in den Köpfen noch immer zu existieren.

In den letzten Jahren habe ich mich selbst auf den Weg gemacht, habe Städte und Schlösser Südböhmens besucht, habe Urlaub am Lipno gemacht, habe auf Wanderungen durch die Šumava einen Berg entdeckt, von dem sich möglicherweise mein Familienname herleitet (Habr bei Zelená Ruda). Bei einem Kurs habe ich erste Erfahrungen mit der tschechischen Sprache gemacht. Ich habe Kontakt zu Germanisten und Schriftstellern bekommen, gemeinsam mit meiner Frau habe ich ein Paar aus Budweis näher kennen gelernt, auch die Kinder sind schnell Freunde geworden. Öfter bin ich gefragt worden: Warum machst Du das? Meine Antwort ist kurz und lapidar: Weil Ihr unsere engsten Nachbarn seid, ich ein neugieriger Menschen bin und es spannend finde, Euch und Euer Land kennen zu lernen.

Kurzbeschreibung

Stifter reloaded. Ein Dutzend bunter Steine. Styria Verlag Graz Wien Köln, 1992

Adalbert Stifters bunte Steine in komplett neuem Schliff, jedes Mineral aus tschechischer und aus österreichischer Perspektive angeschnitten: In einer etwas anderen Anthologie zum zweihundertsten Geburtstag des österreichischen Schriftstellers nähern sich dreizehn Autorinnen und Autoren auf vielfältigen literarischen Wegen den bekannten Erzählungen und schaffen so eine neue, aktualisierte Sammlung von Preziosen.

Den »Bunten Steinen« Adalbert Stifters verpassen sieben österreichische und sechs tschechische Autorinnen und Autoren einen neuen Schliff: Sie holen die Erzählungen, Figuren, Motive aus der Zeit ihres Entstehens in die Gegenwart und hauchen ihnen neues Leben ein. Die dabei entstandenen Texte sind jeweils konkrete Auseinandersetzungen mit den Erzählungen »Granit«, »Kalkstein«, »Turmalin«, »Bergkristall«, »Katzensilber«, »Bergmilch« sowie der »Vorrede« und darüber hinaus mit Adalbert Stifter selbst, als Autor zwischen historischer Größe der österreichischen Literatur und Heimatdichtung, mit seinen Texten und den gestörten, gebrochenen Idyllen, die sie evozieren – dies- und jenseits der österreichischen Grenze.

Die literarische Form der Beiträge ist dabei vielfältig – die neuen Stifter-Texte sind reloaded, jeder der sechs bunten Steine kommt in zwei neuen Fassungen zum Vorschein, einmal aus österreichischer und einmal aus tschechischer Perspektive.

Mit Texten von: Adelheid Dahimène, Hans Eichhorn, Leopold Federmair, Rudolf Habringer, Walter Kohl, Margit Schreiner, Andreas Weber sowie Vlasta Dusková, Hanka Hosnedlová, Hynek Klimek, Jan Matej Krnínsky, Frantisek Niedl, Antonín Pelísek.

Textprobe

Bergkristall

„Etwa auf der größten Erhöhung (…), wo nach und nach sich der Weg in  das jenseitige Tal hinab zu senken beginnt, steht eine sogenannte Unglückssäule. Es ist einmal ein Bäcker, welcher Brot in seinem Korbe über den Hals trug, an jener Stelle tot gefunden worden.“

Wo ist der Mann mit dem Schäferhund, fragte eine Frau aus der Gegend vor einigen Tagen. Er ist doch dein Nachbar? Sie habe ihn schon lange nicht mehr gesehen. Ich zog den Kopf ein und zögerte, eine Antwort zu geben. Am liebsten hätte ich gelogen. Weg, sagte ich. Schon seit fast einem Jahr. Mehr sagte ich nicht. Dann redeten wir von etwas anderem.

Das ist die Geschichte eines Unglücks. Hier wird keiner gesucht und keiner gerettet, ich wüsste nicht, wie. Der Heilige Abend ist vorbei. Spielen Kinder eine Rolle? Ja. Eines davon hat die Welt nicht gesehen. Vom Gebirge, vom Eis soll keine Rede sein, wir wohnen im Hügelland. Die Berge stehen bei Föhn als gezackte Formation am Horizont. Wenn ich aus dem Fenster schaue, kann ich die Unglücksstelle erahnen. Den Blick ins Tal durchkreuzt ein mächtiger Nussbaum, durch dessen Geäst ich im Winter, wenn der Baum kein Laub trägt, hindurchsehen kann wie durch ein Spinnenetz. An sonnigen Tagen spiegelt sich weit unten das Wasser der Donau. In einer Schale auf meinem Schreibtisch liegt ein Stein, kleiner als eine Murmel. Der bringt Glück, der baut dich wieder auf, sagte Färber, als er ihn mir schenkte.

Kurzbeschreibung

Der Kobold der Träume. Aufzeichnungen aus dem Unbewussten.

Gemeinsam mit Josef P. Mautner, eine Anthologie von 13 SchriftstellerInnen und KünstlerInnen. Picus Verlag Wien, 2006

Dreizehn Autorinnen und Autoren erzählen und interpretieren ihre Träume. Ein Lesebuch für alle, die selbst träumen und die »Ringkämpfe jede Nacht« (Franz Kafka) kennen, ein Buch der Erkundung nächtlicher Botschaften, eine Fibel fragiler Ahnungen und bizarrer Erinnerungen, quälender Ängste und rätselhafter Lüste.

Der Kobold der Träume spinnt das Garn der Geschichten. (Miguel Angel Asturias). (mehr …)

Pressestimmen

Bilder des Unbewussten

Natürlich ist es kein Zufall, dass der oberösterreichische Schriftsteller Rudolf Habringer und der Salzburger Theologe und Germanist Josef P. Mautner just im Sigmund-Freud-Jahr 2006 dem „Kobold der Träume“ ein Buch gewidmet haben.
Der Zusammenhang von Traum und Literatur hat eine lange Tradition, die weit hinter Freud zurückreicht, die aber im Kontext der Psychoanalyse eine moderne künstlerische Ausprägung erhalten hat, vor allem im Surrealismus.
Habringer und Mautner haben elf Zeitgenossen, vor allem Autorinnen und Autoren, eingeladen, aufgezeichnete Träume zu veröffentlichen. Einige Beiträger, darunter die Herausgeber selbst, haben auch Deutungen und grundlegende Reflexionen zum Thema Traum beigesteuert.
So ist ein facettenreicher Band entstanden, der unterschiedliche, sogar gegensätzliche, aber allemal spannende und eigenwillige Zugänge zu den Bildern des Unbewussten enthält.
Christian Schacherreiter, Oberösterreichische Nachrichten (mehr …)

Textprobe

Der Träumende bin ich und der Geträumte. Fragmentarische Anmerkungen

Nächtens gehe ich hinunter in mein Archiv, ich klettere in meinen Kopf hinein, tauche ab zu einem Grund, den keiner kennt, dorthin, wo alles über mich und von mir aufbewahrt ist: Menschen, Gerüche, Ängste, Erfahrungen, Gefühle genau so wie altes, nicht entsorgtes Gerümpel. Angelangt bei meinen Träumen fühle ich mich zu Hause und zugleich fremd.

Vielleicht verhält es sich aber auch so: Nacht für Nacht klettert ein Traum aus meinem Archiv, kriecht aus meinem Kopf in meinen Kopf, taucht auf aus meiner Tiefe und tanzt mir vor den Augen. Wer hat wen? Habe ich den Traum, hat der Traum mich? Oder fallen wir in eins? Bin ich mein Traum, der vor sich selber gaukelt?

Ich vermute: Wenn ich träume, bin ich ganz bei mir, ob ich will oder nicht. Der Träumende bin ich und der Geträumte. (mehr …)

Kurzbeschreibung

Ein bunter und satirischer Weihnachtsmix aus der Feder des oberösterreichischen Autors Habringer rund um Feng Shui, Big Father und brennende Nadelbäume. Lassen Sie sich nicht irritieren, wenn neben der heiligen Familie, den Engeln, Hirten und Königen plötzlich Dieter Bohlen auftaucht, um gegen Franz Beckenbauer um die Gunst von Verona Feldbusch-Pooth zu buhlen oder Josef vergeblich versucht, den Ochsen zu melken.

Unter parodistischer Mitwirkung von B. Brecht, W. Busch, J. W. v. Goethe, J. Nestroy, E. Jandl, H. Krankl, H. Prüller und weiterer Hirtenspieler.  Kronen Zeitung

Pressestimmen

Dieses Geschenkpackl mit Inhalten zu und für Weihnachten wird allerdings nicht jeder Feingestimmte unter den Lichterbaum seiner Lieben legen, es befinden sich darin nur belletristische Essiggurkerl. Eine scharf gewürzte, mehrteilige satirische Abhandlung über Weihnachten, über Geschäft und Heuchelei in vielen Teilen: Kein „Honigseim für abendländische Schleckermäuler“ (Publizisten-Zitat). Das reicht von einer Bethlehem Reloaded Show im Bethlehem-Container nach sattsam bekanntem Muster mit einem Figurarium von Andreas Khol bis Verena Feldbusch, bis zur Unvereinbarkeit von Weihnachten am 24. Dezember nach Feng-Shui-Lehre. Autoren der Weltliteratur liefern die Basen und Zutaten für weitere Scharfgerichte. Für Adventlesungen in der Kirche ungeeignet. Zur Lektüre ansonsten überall. Oberösterreichische Nachrichten (mehr …)

Textprobe

Der Christkindlmarkt

Da ist der Christkindlmarkt. Da ist der Punschstand. Da ist der Punsch. Da ist der Herr Bezirkshauptmann. Da ist der Herr Parteisekretär. Da ist die Frau Landeshauptmann. Da ist der Herr Bankdirektor.

Wo ist mein Punsch? Da ist mein Punsch.

Wo ist dein Punsch? Da ist dein Punsch.

Prost, Frau Landeshauptmann. Prost, Herr Parteisekretär. Prost, Herr Bezirkshauptmann.

Der große Scheck ist da. Der Mann von der Zeitung ist da. Das Fernsehen ist nicht da.

Die Frau Landeshauptmann ist schon da. Der große Scheck ist schon da. Das Fernsehen ist noch nicht da.

Wo ist das Fernsehen, Herr Parteisekretär?

Das Fernsehen ist noch nicht da, Frau Landeshauptmann.

Der große Scheck ist schon da.

Der Mann von der Zeitung ist auch schon da.

Wie spät ist es?

Es ist noch nicht so spät.

Es geht sich noch aus.

Es ist noch ein wenig Zeit.

Ein wenig Zeit ist noch.

Die Luft ist kalt. Der Punsch ist heiß. Der Scheck ist groß. Der Mann von der Zeitung ist klein. Der Herr Bankdirektor ist dick. Die Frau Landeshauptmann ist rot.

Ist das mein Punsch? Nein, das ist mein Punsch.

Wie geht es Dir? Mir geht es gut.
Mir ist kalt. Mir ist auch kalt.

Da kommt das Fernsehen. Das Fernsehen kommt. Das Fernsehen ist da. Da ist das Fernsehen. Es geht sich noch aus. Es ist noch nicht zu spät.

Sie stellen sich auf. Sie trinken den Punsch. Sie schütteln einander die Hand. Sie nehmen den Scheck. Der Scheck ist groß.

Alle sind im Fernsehen. Das ist der Christkindlmarkt. Der Christkindlmarkt ist schön.

Kurzbeschreibung

Die Radiomoderatorin Lisa betreut eine nächtliche Sendung namens »Nitetalk«. Auch Schmögner, der Telefonist, arbeitet in der Nacht, wenn alle Töne besonders intensiv erscheinen. Aus der heimlichen Verehrung entwickelt sich bald eine regelrechte Obsession des einsamen Hörers für die betörende Radiostimme. In »Capriccio privat« entspinnt sich eine zarte Beziehung aus Bewegungen und Klängen zwischen einem zurückhaltenden Pianisten und einer anmutigen Tänzerin – eines Nachts führt das Schicksal die beiden gar in ein gemeinsames Hotelzimmer.

Unerwartet und flüchtig ist das Glück, das einem nicht mehr ganz so jungen Mann »Am See« mit der Schwester seines besten Freundes begegnet. Und ein Pharmavertreter nimmt Abschied von seinem Vater, zögerlich wird ihm erst »Am Ende« bewusst, wie groß die Liebe war, die ihn mit dem oft strengen und verständnislosen Mann verbunden hat. Unerfüllte Sehnsüchte, glücklose Liebesgeschichten und das Gefühl des Alleinseins eint die Figuren in Rudolf Habringers acht Erzählungen. Präzise und eindringlich beschreibt er die Innenwelten seiner Protagonisten, die oftmals in der Beobachtung der eigenen seelischen Vorgänge gefangen bleiben. Der Nachdenklichkeit in nächtlichen Stunden, den Leiden und Freuden des Verliebtseins, den kindlichen Nöten und der Ohnmacht, die einen im Angesicht des Todes ergreift, stellt Rudolf Habringer aber die Hoffnung der Liebe gegenüber, der alle in den unterschiedlichsten Spielarten begegnen.

Pressestimmen

„Ein sowohl gescheites und dennoch spannendes, ein sentimentales und doch humorvolles, ein erotisches und doch keusches Buch ist Rudolf Habringer mit „Alles wird gut“ gelungen. Seine acht Liebesgeschichten deuten an, dass Habringer das Zeug zum Romancier hat. Denn eigentlich ist der Erzählband ein Buch mit acht, auf acht Erzählungen verkürzten Büchern.“  ORF

„Habringer setzt der Liebe mit tief empfundener Hochachtung ein wunderschönes poetisches Denkmal.“ Brigitte Österreich

„Alles wird gut“ ist aber kein deprimierendes Buch. Und auch kein pathetisches. Das liegt nicht zuletzt an der lakonischen Sprache und der sehr genauen Darstellung der Gefühle, welche die Texte trägt.“ Oberösterreichische Nachrichten (mehr …)

Textprobe

Gelbes, warmes Licht liegt auf dem Linoleumboden in der Küche. Ein strahlend blauer Morgen im September. Bald kommt der Herbst. Die Tür zum Balkon steht offen. Kühle Luft von draußen streicht in einer sanften Brise um die Beine.

Gerade ist er aufgestanden. Heute hat er frei. Mit bloßen Füßen tappt er über den Fliesenboden im Vorzimmer. Er trägt die helle, abgetragene Flanellhose, die bequemste, die er besitzt. Sein Hemd ist nicht zugeknöpft. Eben war er auf der Toilette, noch hat er sich nicht gewaschen.

Sein Gesicht ist blass, die Augen sind verklebt. Das Haar ist kurz geschnitten und liegt unauffällig, fast demütig an seinem kleinen Kopf. Sein Alter ist schwer zu bestimmen. Es scheint, als hinge es davon ab, wie das Licht auf ihn fällt. Er wird von Anfang zwanzig bis Mitte vierzig eingeschätzt. Er hält sich für nicht besonders attraktiv, aber auch nicht für hässlich. Stets bringt er Fotografen zur Verzweiflung. Nein, fotogen ist er nicht. Er lacht nie. (mehr …)

Kurzbeschreibung

BERNHARD  MINETTI  GEHT  TURNEN. Satiren I (1999)

Edition Geschichte der Heimat, Revidierte Neuausgabe 2008

Böse, witzig und schräg gewährt der Autor Einblick hinter die Kulissen von Theater, Musik und Literatur und damit in das österreichische Wesen. Habringers Perspektive ist dabei so ungewöhnlich wie originell. Man muß kein Kunstfreund sein, um in seine Welt eintauchen zu können. Seine Figuren sind schrullig und verrückt, blasiert oder auch einfach nur komisch, immer aber aus dem prallen Leben gegriffen. (mehr …)

Pressestimmen

Insgesamt 17 Texte – teils Wiederabdrucke, teils Erstveröffentlichungen – legt der Oberösterreicher Rudolf Habringer in seinem schmalen Bändchen „Bernhard Minetti geht turnen“ vor. Wer nun auf Grund des Titels vermutet, daß da noch ein anderer Bernhard zwischen den Zeilen mitschwingt, der liegt ganz richtig: „Mausgift kaufen“ („Einfach kompliziert“) geht dem Band bereits als einleitendes Motto voraus, und in der Abteilung „Briefverkehr“ der in vier Teile gegliederten „Satiren I“, die insgesamt eher als literarisches Potpourri von allerlei Kurz- und Gelegenheitstexten denn als Satiren im engeren Sinn zu verstehen sind, findet sich ein Brief mit dem Titel „Betrifft: Bernhardforschung“. (mehr …)