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Thomas Bernhard seilt sich ab

Der Titel ist freilich grob irreführend, denn Thomas Bernhard seilt sich gar nicht ab. Zumindest nicht in Habringers neuem Wurf, der nicht minder eindrucksvoll als seine beiden Vorgänger unter Beweis stellt, welch humoresken Kräfte in der heimischen Literaturszene sprießen. Die Titel gebende „Campaign in elf Stationen“ etwa atmet ebenso den Stil und die hintergründige Ironie des Ohlsdorfer Meisters wie sie den Blick schärft auf jüngste Peinlichkeiten der heimischen Medienszene – von „Starmania“ bis „Bachelor“. Ein literarischer Leckerbissen ist auch „Das Rotkäppchendossier“. Habringer gelingt es, das Märchen so glaubwürdig in verschiedenen Literaturstilen zu persiflieren, dass man meinen möchte, man habe tatsächlich einen Originaltext aus der Feder etwa eines Evangelisten, Bert Brechts oder eben Thomas Bernhards in der Hand. (…)Nicht minder genial H. C. Artmanns „Mit mein rodn Bluat“, Jandls „Omos Wolf“, Jelineks „Frust“, Henning Mankells „Den röda luvan“ (Das rote Käppchen) oder Peter Handkes „Drei Aufstellungen des ATSV Wolfsberg“ (…) Schade, dass Habringers Talent immer noch weitgehend im Verborgenen blüht. Schriftsteller seiner Güte sollten nicht beim ATSV Wolfsberg spielen (gegen dessen rührendes Engagement hier gar nichts gesagt sein soll!), sondern zumindest beim SK Rapid – wenn nicht gar in der deutschen Bundesliga! Jedenfalls ist er ein Fixstarter für die Nationalmannschaft der heimischen Autoren. Andreas Pittler, Wiener Zeitung

Der zweite Hauptteil des Bandes ist das „Rotkäppchendossier“, eine Sammlung von Parodien, in der von Büchner, Nestroy, Brecht, Tucholsky bis zu Jelinek, Jandl, Menasse und vielen anderen die Sprache der einzelnen Autoren auf brillante, manchmal entlarvende Weise demontiert und imitiert wird. Der analytische Vorgang, mit dem die sprachlichen Mittel des jeweiligen Autors aufgedeckt und zu einer neuen, eben einer Rotkäppchengeschichte montiert werden, zeigt, daß man mit wenig Sinn, ja sogar mit Unsinn die gleiche Wirkung erzielen kann, die die jeweiligen Texte erzeugen. So fügen sich die Parodien zu einer Art subversiver Literaturgeschichte, einer Anthologie der Entlarvungen. (…) eine ebenso kluge wie unterhaltsame Bestandsaufnahme des österreichischen Literatur- bzw. Kulturbetriebs.  Anna Mitgutsch, Oberösterreichischer Kulturbericht